Eine wahre Begebenheit

Ich habe ihn erwischt. 

Letzten Abend lag ich friedlich mit meinen Süßen in meinem Bett und schlummerte so vor mich hin, als ich plötzlich ein leises Schmatzen hörte. 
Hat mein Sohn es doch tatsächlich gewagt heimlich aufzustehen und an seinen Adventskalender zu gehen?
Ich schaute mich schlaftrunken um und stellte erst einmal erleichtert fest, dass mein Sohn neben mir lag und leise, ruhig und gleichmäßig vor sich hin atmete. 

Ok, es musste also mein Mann sein. Ich schloss die Augen und wollte wieder einschlafen.
Da hörte ich erneut etwas. Ein Knuspern, ein Schmatzen und ein zufriedenes Grunzen. 
Das klang jetzt aber nicht nach meinem Mann. 
Mir wurde bewusst, dass der zwar gerne isst,aber nicht gerade nachts. 

Ich stand auf und schlich leise in den Flur, um um die Ecke zu spähen und was sah ich da?

Einen älteren Mann der ganz gemütlich am Tisch über dem Plätzchenteller saß und ein Plätzchen nach dem anderen mampfte. Tatsache, es war der Nikolaus. Der, von dem ich meinem Sohn am Abend zuvor noch vorgelesen habe. 
Er saß am Esstisch und knusperte Plätzchen weg, die für ihn hingelegt worden sind. WOW! Wie gerne hätte ich meine Kinder geweckt. Aber ich wollte den Nikolaus ja nicht verschrecken, immerhin ist mir nicht entgangen, dass die Stiefel noch leer waren. 

Angestrengt dachte ich nun darüber nach, wie ich meinem Sohn den Nikolaus zeigen kann, ohne die Geschenke zu gefährden. 
Plötzlich hatte ich die Erleuchtung. Leise schlich ich ins Wohnzimmer und holte meine Kamera. 
Dann versteckte ich mich im Kinderzimmer, von wo ich den Flur und die Stiefel wunderbar im Blick hatte. 

Und plötzlich kam er um die Ecke - der Nikolaus. 
Mir stockte der Atem und ich musste in Deckung gehen. "Nicht so laut atmen" schoss es mir durch den Kopf. Oh man, so aufgeregt war ich lange nicht mehr. 
JETZT. Jetzt oder nie. Ich zückte die Kamera und es blitzte auf. Der Nikolaus zuckte zusammen und fuhr herum. 
Blitzschnell wich ich hinter die Türe. Ah, war ich froh, dass ich seinem Blick nicht standhalten musste. Mein Herz pochte wie verrückt. 

"Das war nicht sonderlich nett von dir, mein Kind. Du hättest mich zu Tode erschrecken können." sagt er eine feste, ruhige Männerstimme. 
Ich war viel zu nervös um auch nur ein Wörtchen zu sagen. Da erklang wieder die Stimmee: "Nun, ich verstehe die Absicht deines Vorhabens und sie ist ehrenhaft, aber tu' um Gottes Namen so etwas nie wieder. Und richte deinem Sohn ein lieben Dank für die Plätzchen aus. Es wäre allerdings nett, wenn ihr nächstes mal auch eine Thermoskanne mit Tee dazu stellen könntet. Nur Plätzchen ist auf Dauer etwas trocken. Ich wünsche euch eine frohe Adventszeit und vergesst nicht die eigentliche Bedeutung dieser seligen Zeit". 

Dann hörte ich unsere Haustüre wie sie aufging und wieder ins Schloss fiel und wie jemand scheinbar von aussen abschloss.  Mir zitterten immer noch die Knie. Ich legte die Kamera weg und mich zwischen meine Kinder ohne auch nur einen Blick in den Flur zu werfen. 
Das alles war etwas viel für eine 33jährige, die es eigentlich besser zu wissen glaubte. 
Ah, es war bestimmt ein Traum. 
Was mein Großer wohl von der Geschichte halten würde, wenn er wach wird? 

Meine Augen fielen zu und ich schlief selig wie ein Baby. 
Heute morgen wurde ich in der früh wach und da fiel mir der verrückte Traum wieder ein. 
Doch was war das? Die Kamera lag auf dem Tisch vor mir. Dort liegt sie sonst nie. Naja, ich muss sie da vergessen haben. 
Ich stand auf und die Stiefel, die ich am Vorabend genäht hatte, waren gefüllt - mein Mann bestimmt.

Beim Zähneputzen erzählte ich meinem Sohn von dem Traum und er lauschte gespannt. Als ich fertig war fragte ich ihn ob er auch fände, dass es ein sehr verrückter Traum war.
Er sah mich mit großen Augen an und sagte: "Nein Mama, ich glaube das ist wirklich passiert".

Wir öffneten den Bildschirm der Kamera und drückten die Wiedergabe-Taste. 
Und was meint ihr, was wir da erblickten?



Jetzt dämmerte mir, dass es kein Traum war. 
Letzte Nacht begegnete ich dem Nikolaus, er hat mit mir gesprochen und ich habe ihm noch nicht mal Danke gesagt. Und dabei hat der gute alte Mann, höfflich wie er ist, sogar seine Stiefel ausgezogen. 
Aber, er ist der Nikolaus und hat sicher Verständnis. Da waren mein Sohn und ich uns einig.


Nun, der Nikolaus war also schon bei uns. Im roten Mantel. 
Was wird denn wohl in der heiligen Nacht passieren?  
Ich hoffe ihr könnt verstehen, in welcher Lage ich mich nun befinde. Als Mama ist man in einer ganz speziellen Position wenn es auf Weihnachten zugeht und man weiß nicht so recht, was auf einen zukommt.
Wie man diese Themen wie Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind usw. richtig anpacken sollen. 
Immerhin bin ich zum ersten Mal aktiv für meinen Sohn auf der Lauer nach den Geschichten, die uns träumen lassen. 
Zum Glück hat der Nikolaus mir eine Geschichte geliefert und ich durfte sprachlose Komparsin sein. 
Und bis zum 24ten ist ja noch etwas Zeit um das Erlebte zu begreifen und eine Idee von dem was kommen mag zu kriegen. 

Habt ihr ihn auch gesehen?



Kommentare:

  1. Antworten
    1. Hallo Alexandra,

      vielen lieben Dank für deine netten Worte :)

      Lieben Gruß und eine schöne Weihnachtszeit,
      Agnes

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  2. Hallöchen! :D
    Wirklich toll. Nein, den Nikolaus muss ich verpasst haben, aber die geputzten Schuhe waren gut gefüllt. :) War wohl dieses Jahr recht brav. Darüber freu ich mich ja sehr! Ich wünsche dir eine super Vorweihnachtszeit und ein besinnliches Weihnachtsfest!

    Liebe Grüße
    Saso

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    1. Hallo Saso,

      danke für deinen lieben Kommentar. Schade, dass du ihn verpasst hast. Aber immerhin war er ja scheinbar da, also alles richtig gemacht 😉

      Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit,
      Agnes

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  3. Wie schön :)
    Eine süße Geschichte!

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    1. Hallo Ruth,

      Dankeschön. Freut mich sehr, wenn sie dir gefallen hat :)

      Einen lieben Gruß und eine wunderschöne Vorweihnachtszeit,
      Agnes

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